Die neue Qualität der Jugendgewalt

•September 25, 2009 • Leave a Comment

Zunächst ein recht zufälliger Artikelausschnitt aus der aktuellen FAZ. Exemplarisch fast er präzise die Kernproblematik der aktuellen Debatte zusammen:

„Es ist ein langer Bericht, der nur manchmal, wenn er ins Stocken gerät, vom behutsamen Nachfragen des Vorsitzenden Richters unterbrochen wird. Dass die Qualen eines Opfers so im Mittelpunkt stehen, ist nicht Standard in deutschen Gerichtssälen. Dann sollen, auf Bitten ihrer Anwälte, die vier Angeklagten etwas sagen. Stotternd murmeln sie auswendig gelernte Entschuldigungen.

Alle haben ein umfängliches Vorstrafenregister, auch von eingestellten Verfahren wegen Körperverletzung ist die Rede. Sie haben sogenannte Anti-Gewalt-Trainings absolviert, was sie dort gelernt haben und ob man dabei überhaupt etwas lernen kann, steht in Frage.

Und wie ebenfalls fast immer behaupten auch diese jugendlichen Täter, keine Ahnung davon gehabt zu haben, was sie anrichten. Was natürlich nicht stimmt. Aber es ist eine Schutzbehauptung, die viele Urteile beeinflusst, zugunsten der Täter, zum Schaden der Opfer.

Innerhalb von zehn Jahren nahmen sie um vierzig Prozent zu, gesondert für sich, nahmen die Körperverletzungen sogar um über sechzig Prozent zu.“

(http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB6E7D6F83B734B01A48E3236FB2602E2~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Wie also reagieren? Müssen Liberale tatenlos zusehen den erfolgreichen Verbrechern, den erfolglosen Sozialpädagogen?

„Die jungen Sünder sind alle vom Richter als zurechnungsfähig erkannt, und müssen somit nach Freiheitsbeschränkung, Arbeit, Kost, Kleidung usw. die Folgen ihrer frühen Verdorbenheit tragen; Verbrechen soll kein Recht geben, auf Kosten des Staates bequem und gut erzogen zu werden.

Allein eben so klar ist, daß hier viel größere Zeit und Mühe auf Besserung verwendet werden muß. Theils ist die Hoffnung auf Erfolg weit größer, theils der Nutzen für den Staat, bei der noch wahrscheinlichen langen Laufbahn der zu Bessernden, bedeutend genug. Hier muß also mit der Gewöhnung an strenge Arbeit vollständger Unterricht in den Elementarkenntnissen und in einem ehrenhaft nährenden Gewerbe verbunden werden.

Die Verfahrensart muß natürlich auf den besonderen Gemüthszustand so früh Verwildeter Rücksicht nehmen, und es scheint das Sicherste zu sein, erst äußere Ordnung und Fleiß zu erzwingen; alsdann mit bloßer Verstandesbildung zu beginnen, von dieser zu sittlicher Gefühlsläuterung aufzusteigen.“

Behandlung jugendlicher Verbrecher, In: Rotteck, Welcker (Hrsg.), Staats-Lexikon, 1834-1843, VI, S. 350.

Warum ich das „Fernseh-Kanzler-Duell“ boykottiere

•September 25, 2009 • Leave a Comment

Kurz und präzise bereits 1984 formuliert von Neil Postman:

„Jeder Kandidat bekam 5 Minuten, um sich zu verschiedenen Fragen zu äußern, etwa: Wie sieht die Mittelamerikapolitik aus bzw. wie würde sie aussehen? Worauf der Gegner dann eine Minute für seine Erwiderung bekam. Unter solchen Bedingungen können Komplexität, das Belegen von Behauptungen und Logik keine Rolle spielen, und an mehreren Stellen blieb selbst die Syntax auf der Strecke. Aber das macht nichts. Die beiden Männer wollten ohnehin nicht so sehr ihre Argumente als vielmehr ihre „Ausstrahlung“ zur Geltung bringen, was nirgendwo besser gelingt als im Fernsehen. Auch die Kommentare nach den Debatten verzichteten weitgehend auf eine Bewertung der von den Kandidaten vorgebrachten Ideen – allein schon deshalb, weil es solche Ideen gar nicht gab. Statt dessen nahm man die Debatten als Boxkämpfe und beschäftigte sich mit der entscheidenden Frage: Wer hat wen k.o. geschlagen? Die Antwort ergab sich aus dem „Stil“ der Kontrahenten – aus der Art, wie sie aussahen, wie fest ihr Blick war, wie sie lächelten und witzige Bemerkungen machten.“

(Postman, Wir amüsieren uns zu Tode, S. 122)

Kant (1784): Was ist Aufklärung?

•October 7, 2008 • Leave a Comment

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Annual Message to Congress (1 December 1862)

•September 26, 2008 • Leave a Comment

„The dogmas of the quiet past, are inadequate to the stormy present. The occasion is piled high with difficulty, and we must rise with the occasion. As our case is new, so we must think anew, and act anew. We must disenthrall our selves, and then we shall save our country. Fellow-citizens, we cannot escape history. We of this Congress and this administration, will be remembered in spite of ourselves. No personal significance, or insignificance, can spare one or another of us. The fiery trial through which we pass, will light us down, in honor or dishonor, to the latest generation.“

Abraham Lincoln

•September 15, 2008 • Leave a Comment

„Andere glaubten um meiner selbst willen bedauern zu müssen, dass ich meine bisherige nicht geringe Popularität gefährdet hatte. Ich gestehe aber, seither öfters mit Befriedigung daran zurückgedacht zu haben, dass ich gleich anfangs schon die Stellung einnahm, zu der sich doch bald darauf die meisten Rechtlichen und Einsichtigen genötigt sahen und die sie nur deswegen nicht sofort mit mir teilten, weil sie entweder den Charakter der Bewegung nicht sogleich erkannten, oder erst bei der nähergerückten Gefahr die Selbstüberwindung fanden, auf den gewohnten Beifall der Menge zu verzichten.“

F.D. Basserman

Freiheit

•August 30, 2008 • Leave a Comment

Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein.

Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann.

Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten.

Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt
und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt.

Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen
und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolg haben.

Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb
 für ein Trinkgeld abkaufen zu lassen. 

Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens
entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen.

Lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs,
als die dumpfe Ruhe Utopiens.

Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben, 
noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben.

Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln,
der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen:

D I E S   I S T   M E I N   W E R K

– Albert Schweizer