Die neue Qualität der Jugendgewalt

Zunächst ein recht zufälliger Artikelausschnitt aus der aktuellen FAZ. Exemplarisch fast er präzise die Kernproblematik der aktuellen Debatte zusammen:

„Es ist ein langer Bericht, der nur manchmal, wenn er ins Stocken gerät, vom behutsamen Nachfragen des Vorsitzenden Richters unterbrochen wird. Dass die Qualen eines Opfers so im Mittelpunkt stehen, ist nicht Standard in deutschen Gerichtssälen. Dann sollen, auf Bitten ihrer Anwälte, die vier Angeklagten etwas sagen. Stotternd murmeln sie auswendig gelernte Entschuldigungen.

Alle haben ein umfängliches Vorstrafenregister, auch von eingestellten Verfahren wegen Körperverletzung ist die Rede. Sie haben sogenannte Anti-Gewalt-Trainings absolviert, was sie dort gelernt haben und ob man dabei überhaupt etwas lernen kann, steht in Frage.

Und wie ebenfalls fast immer behaupten auch diese jugendlichen Täter, keine Ahnung davon gehabt zu haben, was sie anrichten. Was natürlich nicht stimmt. Aber es ist eine Schutzbehauptung, die viele Urteile beeinflusst, zugunsten der Täter, zum Schaden der Opfer.

Innerhalb von zehn Jahren nahmen sie um vierzig Prozent zu, gesondert für sich, nahmen die Körperverletzungen sogar um über sechzig Prozent zu.“

(http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EB6E7D6F83B734B01A48E3236FB2602E2~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Wie also reagieren? Müssen Liberale tatenlos zusehen den erfolgreichen Verbrechern, den erfolglosen Sozialpädagogen?

„Die jungen Sünder sind alle vom Richter als zurechnungsfähig erkannt, und müssen somit nach Freiheitsbeschränkung, Arbeit, Kost, Kleidung usw. die Folgen ihrer frühen Verdorbenheit tragen; Verbrechen soll kein Recht geben, auf Kosten des Staates bequem und gut erzogen zu werden.

Allein eben so klar ist, daß hier viel größere Zeit und Mühe auf Besserung verwendet werden muß. Theils ist die Hoffnung auf Erfolg weit größer, theils der Nutzen für den Staat, bei der noch wahrscheinlichen langen Laufbahn der zu Bessernden, bedeutend genug. Hier muß also mit der Gewöhnung an strenge Arbeit vollständger Unterricht in den Elementarkenntnissen und in einem ehrenhaft nährenden Gewerbe verbunden werden.

Die Verfahrensart muß natürlich auf den besonderen Gemüthszustand so früh Verwildeter Rücksicht nehmen, und es scheint das Sicherste zu sein, erst äußere Ordnung und Fleiß zu erzwingen; alsdann mit bloßer Verstandesbildung zu beginnen, von dieser zu sittlicher Gefühlsläuterung aufzusteigen.“

Behandlung jugendlicher Verbrecher, In: Rotteck, Welcker (Hrsg.), Staats-Lexikon, 1834-1843, VI, S. 350.

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~ by derbordiehn on September 25, 2009.

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