Warum ich das „Fernseh-Kanzler-Duell“ boykottiere

Kurz und präzise bereits 1984 formuliert von Neil Postman:

„Jeder Kandidat bekam 5 Minuten, um sich zu verschiedenen Fragen zu äußern, etwa: Wie sieht die Mittelamerikapolitik aus bzw. wie würde sie aussehen? Worauf der Gegner dann eine Minute für seine Erwiderung bekam. Unter solchen Bedingungen können Komplexität, das Belegen von Behauptungen und Logik keine Rolle spielen, und an mehreren Stellen blieb selbst die Syntax auf der Strecke. Aber das macht nichts. Die beiden Männer wollten ohnehin nicht so sehr ihre Argumente als vielmehr ihre „Ausstrahlung“ zur Geltung bringen, was nirgendwo besser gelingt als im Fernsehen. Auch die Kommentare nach den Debatten verzichteten weitgehend auf eine Bewertung der von den Kandidaten vorgebrachten Ideen – allein schon deshalb, weil es solche Ideen gar nicht gab. Statt dessen nahm man die Debatten als Boxkämpfe und beschäftigte sich mit der entscheidenden Frage: Wer hat wen k.o. geschlagen? Die Antwort ergab sich aus dem „Stil“ der Kontrahenten – aus der Art, wie sie aussahen, wie fest ihr Blick war, wie sie lächelten und witzige Bemerkungen machten.“

(Postman, Wir amüsieren uns zu Tode, S. 122)

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~ by derbordiehn on September 25, 2009.

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